12.12.2012 :: Arbeitsrecht

Die unentgeltliche Beschäftigung von Psychotherapeuten in Ausbildung (PIA) kann sittenwidrig sein

Entscheidung des LAG Hamm vom 29.11.2012 (Az. 11 Sa 74/12)

Im zeitlichen Zusammenhang mit den bundesweiten Protesten am 14.11.2012 zur Verbesserung der Ausbildungs- und Vergütungsbedingungen von Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) hat das Landesarbeitsgericht Hamm in einem Urteil vom 29.11.2012 (Az. 11 Sa 74/12) entschieden, dass es sittenwidrig (138 BGB) sein kann, eine Psychotherapeutin in Ausbildung unentgeltlich arbeiten zu lassen.

Im konkreten Fall hat das LAG Hamm der klagenden (Kinder- und Jugendlichen) Psychotherapeutin in Ausbildung (PiA), die ihre „Praktische Tätigkeit“ im Sinne von § 2 Abs.2 Nr.1 KJPsychTh-APrV in einem Klinikum absolviert hatte, nachträglich eine monatliche Vergütung von 1.000,00€ (12.000,00€ für ein Jahr) brutto zugesprochen. Das Urteil ist mithin der juristische Beleg, dass sich der Kampf gegen die zum Teil offene Ausbeutung der Psychotherapeuten in Ausbildung nicht nur politisch, sondern auch auf juristischem Weg lohnen kann. Das Gericht hat allerdings die Revision zum Bundesarbeitsgericht (BAG) für das unterlegene Klinikum zugelassen. Sollte das Klinikum von dieser Möglichkeit Gebrauch machen und den weiteren Rechtsweg beschreiten,  müsste die höchste arbeitsgerichtliche Instanz - das Bundesarbeitsgericht - abschließend entscheiden. Bis dahin ist dieses Urteil des LAG Hamm der Präzedenzfall, auf den sich alle Psychologen in Ausbildung berufen können.

Auch wenn das „Praktikum“ bereits länger zurückliegt, können Ansprüche immer noch durchgesetzt werden. Allgemein ist dieses Verfahren auch exemplarisch für andere Ausbildungs- und Praktikantenverhältnisse und damit  für die „Generation Praktikum“ insgesamt. 

Ansprechpartner bei Rückfragen:

Rechtsanwalt Wolf-Rüdiger Kneller



Alle Beiträge sind nach bestem Wissen zusammengestellt. Eine Haftung für deren Inhalt kann jedoch nicht übernommen werden.